Worte….

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quelle: pixabay

….die zu Gebeten werden und Klangmuster in die Welt weben.

Worte sind ein machtvolles Instrument der Schöpfung. „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort.“ Oder: „Und Gott sprach: es werde Licht! und es ward Licht.“ Nicht nur in der Bibel finden wir diese Aussage als Auftakt zur Schöpfungsgeschichte. Auch die Veden stellen einen klangvollen Bezug zur Schöpfung her: „Am Anfang war Brahma und das Wort war bei ihm.“

Auch indigene Völker gehen davon aus, dass alles was ist dem Klang entspringt. Seit jeher wird mit Klang geheilt – in den Ein-Klang gebracht. Ob nun bei den alten Ägyptern oder Persern die wahrhaftige Klangexperten waren, oder in neuerer Zeit in unseren Breitengraden z. Bsp. Hildegard von Bingen – Heilung mit Klang spielt eine essentielle Rolle. Auch indianische Schamanen arbeiten mit den „5 Schwingungen“. Sie gehen davon aus, dass es im Erdinneren Klangkammern gibt, die alle Wesen auf der Erde in Schwingung versetzen und sie so in Ein-Klang bringen. Ein-Klang ist mit Heilung gleichzusetzen. Im indigenen Verständnis ist Schönheit mit dem Heil-Sein, Vollständig-Sein und damit Gesund-Sein gleichzusetzen.

Warum heißt unser das Universum „Uni-versum“? Eine Übersetzung lautet: ein Vers – ein Lied! Oder Person? Eine Möglichkeit ist: per sonare – hindurch klingen, hindurch tönen.

Man könnte noch zahlreiche Beispiele anführen, um  zu verdeutlichen wie alt das tiefe Wissen um die schöpferische Kraft des Klanges ist.

Was können wir für uns daraus ableiten? Wenn der Klang meines Seins maßgeblich zur Schöpfung beiträgt und alles über Klangfrequenzen miteinander verbunden ist, was kann ich ganz persönlich zur Schöpfung meiner Realität beitragen? Und welche Auswirkung hat wiederum meine innere Ordnung oder Unordnung, die unweigerlich Realitätsebenen erschafft? Wie kohärent sind meine Gedanken, Gefühle, Worte und Taten? Wieso ist diese Kohärenz essentiell? Info’s zu diesen Zusammenhängen findet ihr meinen Beitrag „Was ist Kohärenz?“ (einfach klicken).

Jetzt muss ich die Kurve bekommen, zu meinem ursprünglichen Gedanken :-). Was ist, wenn aus Worten Gebete – heilige oder heilmachende Worte –  werden? Die bereits unzählige Male gesprochen sind und gesprochen werden. Welche Auswirkungen haben diese Klangmuster in uns? Wie gehen wir in Resonanz? Wie prägen sie uns? Ich möchte diese Fragen am „Vater-Unser“ reflektieren. Das kennen wir alle mehr oder weniger in folgender Form:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Kennt ihr auch die Urform dieses Gebets aus dem Aramäischen? Ich möchte sie euch hier vorstellen:

Abwun d’baschmâjaOh du, atmendes Leben in allem. Ursprung des schimmernden Klanges, Du scheinst in uns und um uns, selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern.

Nethkâdasch schmachHilf uns einen heiligen Atemzug zu atmen, bei dem wir nur Dich fühlen und Dein Klang in uns erklinge und  uns reinige.

Tete malkuthachLass Deinen Rat unser Leben regieren und unsere Absicht klären für die gemeinsame Schöpfung.

Nehwe tzevjânach aikâna d’bwaschmâja af b’arha Möge der brennende Wunsch Deines Herzens Himmel und Erde vereinen durch unsere Harmonie.

Hawvlân lachma d’sünkanân jaomâna Gewähre uns täglich, was wir an Brot und Einsicht brauchen: das Notwendige für den Ruf des wachsenden  Lebens.

Waschboklân chauben (wachtahen) aikâna daf chnän schvoken l’chaljabenLöse die Stränge der Fehler, die uns binden, dass wir loslassen, was uns bindet an die Schuld anderer.

Wela tachlân l(ei)’nesjuna ela patzân min bischaLass oberflächliche Dinge uns nicht irreführen, sondern befreie uns von dem, was uns  zurückhält.

Metol dilachie malkutha wahaila wateschbuchta l’ahlâm almin. AmenAus Dir kommt der allwirksame Wille, die lebendige Kraft zu handeln, das Lied, das alles verschönert und sich von Zeitalter zu Zeitalter erneuert. Wahrhaftige Lebenskraft diesen Aussagen! Mögen sie der Boden sein, aus dem alle meine Handlungen erwachsen. Besiegelt im Vertrauen und Glauben. Amen.

Ihr dürft gerne selbst in euch nachspüren, welche Resonanzen diese Gebete jeweils in euch hinterlassen.

Wer sich tiefer vom „Abwun d’baschmâja“ (die Schreibweise variiert und da ich absolut keine Expertin im Aramäischen bin, habt bitte Nachsicht) berühren lassen möchte, kann hier ins Klangbad eintauchen:

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11 Gedanken zu “Worte….

  1. Was für ein wunderbarer Beitrag. Du hast einige eindrückliche Beispiele genannt. Auch die Idee von der Harmonie der Sphären kann durchaus mehr sein als eine romantisch-schwärmerische Fantasie.
    Die Auswirkungen der persönlichen Schwingung lassen sich oft sehr gut erspüren. Man braucht nicht hellfühlig zu sein, um zu merken, wenn jemand verstimmt ist. Und dies kann durchaus ansteckend wirken. Aber auch das Gegenteil kommt vor – dass man förmlich spürt, wie die Schwingung sich hebt, wenn jemand den Raum betritt.
    Oder natürlich Musik. Ihre Auswirkung lässt sich unmittelbar auch körperlich erfahren. Bemerkenswert ist die Wendung: Böse Menschen haben keine Lieder. Ich sehe dies so, dass die vereinte Schwingung von Wort und Ton eine reinigende und heilende Wirkung hat. Der Mensch gewinnt seine Ur-Schwingung zurück – und das Böse, die Disharmonie, verschwindet.
    Danke für die Präsentation des „Abwun d’baschmâja“ – wie wohltuend, von der unverfälschten Quelle zu trinken. 🙂

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    1. Danke für Deine bereichernde Resonanz! Du sprichst mir aus der Seele. Die eigene Ur-Schwingung zurück gewinnen, gefällt mir sehr :-). Die vereinte Schwingung von Wort und Ton sind essentiell in der klanglichen Harmonisierung. Ich empfinde die INTENTION als DIE Brücke mit der Ton & Wort vereint werden. Ein Wort – ob geschrieben oder gesprochen – schwingt ganz entsprechend der Intention oder der inneren Haltung die gerade im Sprechende schwingt. Ich kann z. Bsp. „Zuversicht“ aussprechen und dabei innerlich Trauer tragen oder eben wirklich in der Zuversicht schwingen. Die Zwischentöne der Stimme klingen jeweils anders und ein geneigter Zuhörer kann das wahrhaftig wahrnehmen :-).

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      1. Wort und Ton dürften wohl ursprünglich eins gewesen sein. Dass sie sich manchmal scheinbar trennen und wieder zusammenfinden dürfte eine Art ‚kosmischer Trick‘ sein, um das Leben immer schön im Fluss zu halten. 🙂
        Besonders Kinder haben ein feines Gespür für diese Zwischentöne der Stimme. Bei vielen Erwachsenen geht das ein wenig verloren (lässt sich aber durchaus wieder aktivieren). Möglicherweise ist man zu sehr darauf konditioniert, eine Fassade aufrecht zu erhalten. Man fürchtet, irgendwie das Gesicht zu verlieren. Und wenn man sich nicht TRAUT, wird die HOCHZEIT von Ton & Wort schwierig. 🙂

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  2. Liebe Bettina,
    danke für diesen wertvollen Text und auch das wunderzartstarke Klangbad.
    Mit gefällt die aramäische Version besser, sie ist liebevoller, allverbundener, heilsamer und sie ATMET Poesie …
    Nachtaktive Grüße von Ulrike

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    1. Liebe nachtaktive Lese-Elfe Ulrike,
      lieben Dank für Deine zartfühlende Resonanz. Ich fühle mich der aramäischen Version auch stärker verbunden. Sie berührt mich tief und rührt mich immer wieder zu Tränen ;-). Sie atmet in der Tat Poesie. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass dieses Urgebet liebevoll die männliche und weibliche Energie vereint. So entsteht Schöpfung :-). Nachteulen-Sternschnuppen-Grüße für Dich

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      1. Ja, meine liebe Klangfee,
        ich dachte mir, daß wir das HARMONISCH wahrnehmen …
        Ich hatte beim Hinhören auch Freuden/Erinnerungs (?)-Tränen in meinen Augen.
        Und es STIMMT, diese Version ist nicht so patriarchal von der Kanzel herab, sondern mitgeschöpflich-nah und herzensverbindlich.
        Gutenachtgruß von mir zu Dir 🙂

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  3. Wunderschön, dieses harmonische miteinander Schwingen :-). Vielleicht sind es ja Freuden & Erinnerungstränen mit einem Quentchen Sehnsucht nach der so wundervoll beschriebenen lichtvollen Quelle der Harmonie und des Einklangs? Danke & einen klingenden Gutenachtgruß von mir zurück an Dich. Träume zauberhaft 🙂

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  4. Wundervoll, die Essener dachten genau so. Gemäss Essener hatte jeder Mensch einen eigenen Klang. Nämlich, dass man durch Anpassung seiner Klangs, sich mit dem Klang eines anderen Menschen verbinden kann. Bei einer Heilung, wurde durch die Klang- Anpassung, der behandelnde Person, die Krankheiten geheilt. Der Klang des Patienten wurde ebenfalls umgepolt, sodass sie nun wieder beide hoch schwingten.

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    1. Lieben Dank für Deine wissende Resonanz :-). Das ist das Prinzip der Klangheilung – wir können zum Instrument, zum Gefäß für den heilsamen Klang werden und damit Dissonanzen (= Krankheit) erlösen. So kann die göttliche Ordnung, die in der Liebe schwingt, wieder hergestellt werden.

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