Verletzlichkeit

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quelle: pixabay

“Verletzlichkeit ist nicht Schwäche. Ich definiere Verletzlichkeit als emotionales Risiko, ausgeliefert sein, Unsicherheit. Sie treibt unser tägliches Leben an. Und ich glaube jetzt – das ist mein zwölftes Jahr in dieser Forschungsrichtung – dass Verletzlichkeit unser genauestes Maß von Courage ist – verletzlich zu sein, uns erkennen zu geben, ehrlich zu sein.”

Brené Brown

Dieses Zitat von Brené Brown hat mich inspiriert, über das Thema Verletzlichkeit zu schreiben, das mich von Anbeginn meines Lebens begleitet und beschäftigt. Es braucht sehr viel Mut zu sich selbst zu stehen und „Ja, das bin ich auch“ zu den eigenen Schmerzpunkten zu sagen. Denn  man zeigt seine Wunde und liefert sich seinem Gegenüber aus. Vielleicht schämt man sich für diese Wunde oder hat Angst, das Gegenüber schlägt nochmals in die Wunde. Man begibt sich in unsicheres Gewässer, denn man weiß ja nicht wie das Umfeld darauf reagiert, wenn man seine Verletzlichkeit zeigt. Gerade wenn man  Tabuthemen verkörpert, kann das Umfeld mit Überforderung reagieren.

Bei all der Unsicherheit die lauert, ist jedoch durch die Selbstannahme tiefe Heilung möglich. Wenn ich zu mir stehe – auch zu einer vermeintlichen Schwäche, einem Fleck, einer Narbe – dann kann eine tiefe Transformation stattfinden und wahrhaftige Stärke und Kraft entstehen. Für mich war es eine extreme Erleichterung mir selbst zu ERLAUBEN Angst oder Schmerz zu empfinden. Sie als Teil meiner Geschichte zu würdigen und diesen Aspekten eine Daseinsberechtigung in mir zu schenken. Unabhängig davon, was mein Umfeld denkt. Für mich ist die Frage: wie gehe ich damit um? essentiell. Die daraus entstehende Selbst-ver-antwort-ung (für mich: schenke Dir selbst eine Antwort) ist unendlich befreiend.

Schmerz gebiert Schmerz, wenn ich diesen unterdrücke. Zusätzlich trenne ich mich von der Liebe zu mir selbst. Ich lehne mich ab, nehme mich, meine Grenzen und Bedürfnisse nicht oder nur verschwommen wahr. Wenn ich mich selbst nicht liebe, wie kann ich andere lieben? Wir alle sind Lernende. Sich den Ängsten und Schmerzen zu stellen, die „Päckchen“ zu öffnen, die wir mitgebracht haben, ist Teil unserer Lektionen.

Wenn ich diesen „Schatten-Päckchen“ ausweiche, sie in der Ecke liegen lasse und nicht beachte, dann sind sie immer noch da! Sie nehmen Raum ein, blockieren vielleicht sogar mein Potential, den Fluss meiner Lebensenergie. Allein die Selbstannahme, gerade auch die Annahme der weniger angenehmen  Seiten unseres Seins ist essentiell, wenn ein Wandel geschehen soll. Die Liebe fließt immer auch dorthin, wo etwas noch nicht in der Liebe ist und macht es sichtbar. Das Wesen der Liebe ist es, in die jeweilige Ordnung zu begleiten, zu heilen und damit vollständig zu werden. Unser ganzes Sein ist von Anfang an darauf ausgerichtet, Harmonie herzustellen. In der Psychoneuroimmunologie nennt man diesen Zustand Kohärenz.

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn jeder von uns seine Schmerzen und Ängste bewusst und liebevoll annehmen würde? Wir müssten uns nicht mehr aus unserer Angst oder aus unserem Schmerz heraus begegnen. Wir könnten annehmen, dass in jedem von uns ein kleines Kind steckt das Angst hat, nicht gesehen oder gehört zu werden, das Angst davor hat verlassen zu werden und mit allen Mitteln um Anerkennung und Zuwendung kämpft.

Wir wissen aus Forschungen, dass Liebe und Annahme für eine gesunde körperliche sowie geistige Entwicklung maßgeblich sind. Unsere Zellen reagieren sehr sensitiv auf innere wie äußere Impulse. Wir haben die Möglichkeit uns neu zu in-form-ieren, indem wir dem kleinen verletzten Kind in uns selbst diese Liebe und Annahme schenken. Wenn wir Schmerz/Trauer/Angst spüren, ist es ein Hilferuf des in Not geratenen Aspekts unseres Seins, den wir hören dürfen. Wir können direkt damit beginnen, bei uns selbst. Hierzu eine kleine Übung:

  • Konzentriere Dich auf Deinen Atem
  • Atme ruhig und so tief es Dir möglich ist, ein und aus
  • Spüre Deinen Atemstrom, wie er ruhig und kraftvoll in Dich hinein und hinaus strömt
  • Schenke Deinem Herzen Deine Aufmerksamkeit
  • Stelle Dir vor Du atmest nun strahlend weißes Licht, wie helles Sonnenlicht, in Deinen Herzensraum bis er vollständig davon erfüllt ist
  • Dieses reine weiße Licht, ist das Licht der allumfassenden, bedingungslosen Liebe, das alles enthält, was Du gerade brauchst
  • Erlaube, dass alle Schatten, die Du bereit bist loszulassen, im Licht dieser Liebe gewandelt werden, so wie es Dir wahrhaftig entspricht
  • Erlaube, dass dieses Licht aus Deinem Herzen überall dorthin fließt, wo es Dir gerade wohl tut, wo Du es gerade brauchst (die Farbe kann sich verändern!)
  • Du bist einfach BeobachterIn und darfst darauf vertrauen, dass dieses Licht der Liebe den Weg ganz alleine findet
  • Bleibe mit Deiner Aufmerksamkeit solange bei dem Geschehen, wie es Dir wohl tut
  • Wenn Du das Gefühl hast, alles ist gesehen was reif war, dann atme 3 x so tief es Dir möglich ist ein und aus und heiße mit jedem Atemzug die frei gewordene Energie in Deinem Sein willkommen
  • Spüre bewusst in Dich hinein und nimm wahr, wie es sich nun anfühlt

Wie fühlt es sich an, wenn wir zu unserer Verletzlichkeit stehen, uns befreien vom „Funktionieren müssen“? Wenn ich nicht mehr „unkaputtbar“ Superwoman oder Superman sein muss? Wie fühlt es sich an, wenn wir uns erlauben Verletzlichkeit und Stärke neu zu definieren? Vielleicht können wir die Freiheit, die Weite und Erleichterung fühlen, die durch diese neu gewonnen Sicht-weise entsteht. Durch die liebevolle Annahme unserer Verletzlichkeit und unserer Wunden entsteht Freiheit, auch wenn sich der erste Schritt nicht so anfühlen mag.

Finden wir in uns den Mut, in die eigenen Tiefen zu tauchen, sie als Teil unseres Seins wert zu schätzen. Zelebrieren wir unsere Verletzlichkeit, denn sie ist der weise Wegweiser zu unseren Schätzen….

Zum klanglichen Abtauchen habt ihr hier Gelegenheit:

Fragile

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10 Gedanken zu “Verletzlichkeit

  1. Da hast du uns heute allerdings ein sehr nahrhaftes Menü serviert. Letzten Endes beschreibst du hier eine sehr wirkungsvolle Methode der Weltverbesserung. Und zwar im eigentlichen Sinn des Wortes. Also nicht ein selbstgerecht-überhebendes „der Welt eine Idee aufzwingen wollen, wie sie gefälligst zu sein habe“. Nein, hier sind wir tatsächlich auf dem Weg zu einer besseren Welt. Einerseits, weil wir die eigene Lebensqualität verbessern und damit auch unsere Talente, unsere Geschenke an die Welt, freier entfalten können. Aber auch, weil wir ja oft auf Menschen gereizt reagieren, die uns (oft ungewollt) mit dem Spiegelbild unser eigenen Schmerz-und-Angst-Aggregate konfrontieren.
    Der kleine Haken: Es braucht Mut, Geduld und Ausdauer. Denn manch ein „Murks-Komplex“ hat sich über Jahre hinweg gebildet. Dennoch dürfen wir optimistisch sein – das Auflösen dauert wesentlich weniger lange.
    Das wunderschöne Klangbild ergänzt diesen Text ganz hervorragend. 🙂

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    1. Lieben Dank für Deinen mitfühlenden und ergänzenden Zuspruch! Es freut mich sehr, dass das Menü mundet :-)! Mir ist es in meiner Arbeit das größte Anliegen, Menschen auf dem Weg nach Innen authentisch zu unterstützen, frei von irgendwelchen „Konzepten“ . Deine Worte berühren mich sehr, denn genau das möchte ich für mich praktizieren und weiter geben. Jedes Wesen trägt in sich eine heilige Ordnung, die dieses Wesen ganz einzigartig macht. Diese Ordnung gilt es heraus zu finden und/oder wieder herzustellen. Wer das möchte. Diese „Murks-Komplexe“ können uralt sein und verstecken sich oftmals im unbewussten Sein. Ich kann Dir nur beipflichten – es braucht Mut, Geduld und Ausdauer. Es ist wirklich eine Lebenshaltung die mensch entwickeln darf. Dann wird es immer selbstverständlicher, ähnlich wie das Ein- und Ausatmen :-). Das ist die gute Nachricht, wenn wir den kleinen Haken annehmen ;-).
      Das Klangbild ergänzend hinzu zu nehmen, war für mich eine Herausforderung. Das Lied habe ich zum letzten Mal bei der Beerdigung einer lieben Freundin gehört. Was soll ich sagen – es hat gut getan und befreit, sich den Schmerz-und-Angst-Aggregaten zu stellen :-)!

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      1. Diese Feststellung «Jedes Wesen trägt in sich eine heilige Ordnung…» scheint mir von ganz entscheidender Bedeutung zu sein. Zwar haben wir heute ungeahnte Möglichkeiten der Entfaltung. Aber wir suchen unsere Ordnung, das, was unsere ureigene Identität ausmachen soll, oft in der Außenwelt. Man orientiert sich an schablonenhaften Idealen – und die ureigene innere Ordnung wird damit ständig gestört, vielleicht gar zerstört. Genau da setzt dein heutiger Beitrag sehr konstruktiv an. Denn durch (in jeder Hinsicht) zwangloses Spielen lässt sich ja prima herausfinden und ausprobieren, was mit unserem persönlichen Grundton, unserer Grundstimmung, harmoniert.
        Was du über das Klangbild erzählst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ein Musikstück kann manchmal so mit Erinnerungen verknüpft und emotional aufgeladen sein, dass es eine große Herausforderung sein kann, sich dem zu stellen – aber im Gegenzug kann es auch sehr befreiend werden. 🙂

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      2. Da sprichst Du mir aus dem Herzen. Die Orientierung und vielleicht sogar Fixierung auf schablonenhafte Ideale führt uns weg von unserer ureigenen inneren Ordnung. Das kostet so unwahrscheinlich viel Energie. Das Außen spielerisch als Reflektionshilfe zu begreifen hilft, Fixierung aufzulösen und Raum für den Weg nach Innen zu schaffen. Es ist eine große Entdeckungsreise, die unsere Kreativität zum Fließen bringt :-). Unseren Grundton, die Grundstimmung zu erkennen hilft ganz wesentlich beim Enttarnen von verkörperlichten Mustern und Prägungen. Und da hilft der Klang – er lässt uns wahrnehmen in welcher Schwingung wir uns befinden. Dieses Erkennen und die Möglichkeit einen eigenen kreativen Weg in die Ordnung zu finden ist sehr befreiend :-).

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      3. Diesen Kommentar habe ich nun einige Zeit vor und zurück gedreht und gewendet. Und da ist so vieles so gut ausgedrückt, dass ich finde, du könntest daraus einen eigenen Beitrag gestalten. Da ist ein fertiger Text, wobei vielleicht ein ergänzendes Klangbild denkbar wäre. 🙂

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      4. 💙-lichsten Dank für Dein mitfühlendes Vor- und Zurückdrehen und -wenden! Deine Rückmeldung macht mir Mut. Ich bin oftmals etwas unsicher, was Sinn macht zu schreiben und zu teilen. So vieles ist schon gesagt oder geschrieben, dass ich mich immer wieder dabei ertappe, wie ich um’s Thema tänzle ;-). Das Thema Klang/Schwingung und die Auswirkung auf das Bewusstsein bewegt mich und mein Leben sehr tief. Ich würde sogar sagen, der Klang (nicht nur die mit menschlichem Ohr wahrnehmbare Schwingung) bewirkt in mir die nachhaltigste und tiefste Heilung. Ich nehme Deinen Impuls dankend an! Bin gespannt, was aus dieser Befruchtung entstehen möchte :-). Fröhlich-schwungvolle Herbstsonnengrüße 🌻

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      5. Was man über Herzensangelegenheiten berichten kann, macht eigentlich immer Sinn. Viele haben bereits vieles gesagt, das ist wahr. Aber gerade die wichtigen Dinge kann man nicht oft genug wiederholen. Erinnerungen verblassen oder das Bewusstsein ist abgelenkt durch tausendundein weniger wichtige Dinge. Und da tut es immer wieder gut, wenn das Bewusstsein für das, was wahr und wichtig ist, neu reanimiert wird. Und jede neue Aussage trägt ja auch immer eine ganz neue Handschrift, eine noch nie dagewesene Klangfarbe.
        Mit einem herzlichen Abendgruß. 🙂

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  2. Ein sehr schöner Beitrag.. hat sowas harmonisches und total liebevolles. Du beschreibst in deiner Übung sehr gut auch für den Ungeübten wie er in sich selbst dieses Gefühl der vollkommenen Liebe erzeugen kann. Danke…

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    1. Liebe Barbara, herzlichen Dank für Deinen geschätzten Kommentar! Das freut mich sehr. Das sollte es sein – zugänglich für jeden, spüren können, dass es möglich ist in dieser Liebe aus sich selbst heraus zu schwingen. Liebste Grüße, Bettina

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