Wêr Bisto

Ich krame gerade ein bisschen in meiner Vergangenheit herum. Manchmal kann es stärkend sein, den zurück gelegten Weg und seine Herausforderungen nochmals zu betrachten. So kann ich mir bewusst machen, wie ich mit den Höhen und Tiefen, den Felsbrocken und den unerwarteten Wendungen umgegangen bin.  Bei mir ist es außerdem so – zu bestimmten Phasen meines Lebens gehört auch die entsprechende Musik. Sie hilft mir dabei, meinen Emotionen Ausdruck zu verleihen, ist eine Art Ventil. Kennt ihr das auch?

Ein Lied hängt mit meiner Zeit in den Niederlanden zusammen und berührt mich noch immer. Es ist etwas für’s Herz, besingt eine innige Freundschaft und den Schmerz, wenn diese auseinander geht. Mirjam Timmer hat dieses Lied im Alter von 17 Jahren geschrieben, um den Wegzug einer lieben Freundin zu verarbeiten. Es erinnert daran wie wichtig es ist, den Menschen die uns am Herzen liegen, dies auch wertschätzend zu sagen und zu zeigen. Das Leben verändert sich so schnell und es ist gut, die gemeinsame Zeit zu nutzen!

Besonders berührend finde ich den Klang der friesischen Mundart. Wie es oftmals so ist – das Lied wurde 1997 veröffentlicht, hatte aber erst mal keinen Erfolg in den Charts. Das hat sich erst nach einer Neuaufnahme geändert. Ich finde es absolut hörenswert. Aber hört selbst :-). Hier ist Twarres mit Wêr Bisto in der Originalbesetzung. Dazu gehört Johan van der Veen, mit dem sie aufgewachsen ist und schon von Kindesbeinen an Musik gemacht hat:

 

Und hier eine spätere Aufnahme mit dem Sänger Syb van der Ploeg von „De Kast“:

Wünsche euch herzberührendes Lauschen ❤️

Mitsingen ist übrigens sehr empfehlenswert :-). Hier der Text:

Doe’t ik dy seach lang ferlyn
Wat docht it dochs sear as ik d’r wer oan tink (2x)
Ik sjoch dy,
Ik hear dy,
Ik fiel dy, eltse kear opnij (2x)
Oeh…
Hjir bin ik,
Wêr bisto
It is al lang lyn
Hjir bin ik
Wêr bisto
It is te lang lyn
Do bist net oars dan leaf
Want do dochst gewoan neat ferkeard
Ik hâld fan dy, sa asto bist
Datst dat dan wol efkes witst
Hjir bin ik,
Wêr bisto
It is al lang lyn
Hjir bin ik
Wêr bisto
It is te lang lyn
Do bist net oars dan leaf
Want do dochst gewoan neat ferkeard
Ik hâld fan dy, sa asto bist
Datst dat dan wol efkes witst
Ik sjoch dy,
Ik hear dy,
Ik fiel dy, eltse kear opnij (2x)

….und hier für alle Fälle die Übersetzung ;-):

Dass ich Dich sah, liegt schon lange zurück.
Was schmerzt es doch, wenn ich daran wieder zurück denke…

Ich sehe Dich,
ich höre Dich,
ich fühle Dich jedes Mal auf’s Neue. (2x)

Hier bin ich, wo bist Du?
Es liegt schon so lange zurück…

Hier bin ich, wo bist Du?
Es liegt zu lange zurück…

Du bist nichts anderes als liebevoll, denn Du machst einfach nichts falsch.
Ich liebe Dich so wie Du bist, dass Du das einfach mal weißt!

Hier bin ich, wo bist Du?
Es liegt schon so lange zurück…

Hier bin ich, wo bist Du?
Es liegt zu lange zurück…

Ich sehe Dich,
ich höre Dich,
ich fühle Dich jedes Mal auf’s Neue. (2x)

 

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6 Gedanken zu “Wêr Bisto

  1. Pling-pling-pling… Da schwingen meine Saiten gleich harmonisch mit. Das ist inhaltlich, musikalisch und sprachlich ganz meine Frequenz. 🙂
    Der Satz «Ich liebe Dich so wie Du bist, dass Du das einfach mal weißt!» ist goldig. Das aber nicht bloß zu denken, sondern genau so auszusprechen scheint übermenschliche Anstrengungen zu kosten. 😉
    Für mich war die Übersetzung sehr nützlich – ich bin einer jener „allen Fälle.“ 😉 Beim gesungenen Text bin ich chancenlos. Die schriftliche Form hilft, aber es bleiben Fragezeichen. Allerdings gibt es da auch schöne Überraschungen. Die Formulierung «Ik hâld fan dy» findet sich ganz ähnlich im Norwegischen: «Jeg holder av dig»
    Ein wunderschönes Lied – und passend (nicht nur aber dennoch ganz besonders) zur Adventszeit. 🙂

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  2. Ui wie schön, gleich drei auf einen Streich ;-). Es freut mich sehr, dass Du dich so harmonisch vielsaitig berührt fühlst!! Allerdings kann ich mir gar nicht vorstellen, dass Du beim gesungenen Text chancenlos bist ;-). Nach ein paar Mal hören ist alles klar ;-). Danke für die liebevolle Ergänzung der norwegischen Variante. Im Holländischen heißt es: „Ik hou (-d) van jou“. Dürfte sich auch in sprachlicher Nähe befinden?! Ich finde Mirjams Liebesbekundung auch sehr goldig. Es braucht schon Mut und wie Du sagst – eine gewisse Anstrengung – diese Liebesbekundung überhaupt zu äußern und ihr Taten folgen zu lassen. Ich hoffe ja immer noch, dass diese gefühlte Anstrengung nicht in der Schublade „übermenschlich anstrengend, also lass‘ ich es lieber gleich“ verbleibt ;-). Es könnte ja sein, dass unter Umständen diese übermenschliche Anstrengung auf einmal ganz leicht wird und sogar Freude bereitet 😉 🙂

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    1. Mir ist das auch naturwidrig vorgekommen – aber tatsächlich habe ich beim gesungenen Text „böhmische Dörfer“ verstanden. 🙂
      Ja, die holländische Variante passt da sprachlich auch rein. Vielleicht ist die Formulierung sogar von Holland nach Norwegen eingeführt worden. Seefahrernationen haben ja nicht nur Waren ausgetauscht.
      Es ist irgendwie paradox. Viele Menschen können über fliegendreckkleine Winzigkeiten mit Leichtigkeit sagen, wie toll und super sie das finden. Aber bei den Menschen, die ihnen am nächsten stehen, schalten sie plötzlich in den Stummfilmmodus. Es gibt in einem lustigen norwegischen Kurzfilm eine typische Szene. Sie druckst rum und rückt schließlich mit einem «ich liebe dich» heraus. Plötzlich geht es ganz leicht. Sie wiederholt es mehrfach. Seine Antwort: «Ja. … … Ich… äh… ehm… dito.»

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      1. 😉 Da ist mit Sicherheit irgendwas naturwidrig, wenn Du bei einem friesischen Text nur böhmische Dörfer verstehst 😉 ;-). Ich glaube, die Holländer waren schon immer gerne unterwegs. Und ihre Sprache spiegelt teilweise noch recht eindringlich eine gewisse „Wildheit“ wider ;-). Deinen Ausdruck „Stummfilmmodus“ finde ich klasse :-). Ebenso die Szene aus dem norwegischen Kurzfilm :-). So traurig es ist, dass mensch sich oftmals lieber mit fliegenpupsigen Winzigkeiten aufhält als sich der Liebe zu öffnen und ihr Ausdruck zu verleihen, muss ich angesichts Deiner Ausführungen doch lachen ;-).

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      2. Ja, dass beispielsweise ein Teil des Nördlichen Eismeers nach einem Niederländer benannt ist, kommt ja auch nicht vom Stubenhocken. 🙂
        Manchmal lässt sich etwas bewirken, wenn traurige Wahrheiten auf humoristische Weise leicht überzeichnet dargestellt werden. Aber alle Menschen sind natürlich frei, darauf zu warten, dass ihnen das Leben auf die harte Tour zeigt, was wirklich zählt und was vielleicht etwas weniger wichtig ist…

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      3. Meneer Barents wahr wohl alles andere als ein Stubenhocker ;-), da hast Du recht :-). Oh, da war er wieder, der freie Wille ;-). Auch da kann ich Dir nur aus vollem Herzen zustimmen… Nur manchmal fällt es mir schwer, anzunehmen, man könne lieber das Leid wählen als die Liebe. Ich übe….

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