Ein Wochenende mit Gott

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quelle: pixabay

Letzten Freitag war ich im Kino und habe mir den Film „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“ angesehen. Vor Jahren habe ich das Buch gelesen und war sehr berührt. Deshalb hatte ich erst Hemmungen mir den Film anzusehen, denn das kann – wie ihr vielleicht schon selbst erfahren habt – sehr leicht in einer Enttäuschung enden ;-).  Doch dann bekam ich einen ermutigenden Impuls und hab’s getan :-). Der Film hat mich so tief berührt, dass er mir einen eigenen Beitrag wert ist, den ich mit euch teilen möchte.

Der Film transportiert voller Liebe, ohne erhobenen Zeigefinger, essentielle Lebensweisheiten. Wie gehe ich mit einem tiefen Schmerz, einer tiefen Wunde um, wenn mir oder meinen Lieben unaussprechliches Unrecht und Leid widerfahren ist? Wie soll ich – selbst gebrochen vom Schmerz – auch noch Vergebung üben? Und welche Rolle spielt Gott oder eine spirituelle Instanz  wenn es darum geht, Unrecht zu verhindern? In Zeiten großen Leids stellt sich die Menschheit wohl oft die Frage: wo ist Gott und warum lässt er Grausamkeiten und Leid zu?

Der Film nähert sich den möglichen Antworten sehr liebevoll an, nimmt an die Hand und zeigt sehr deutlich, wie schnell sich eine Sichtweise verändern kann, wenn man die Perspektive wechselt. Täter-Opfer-Strukturen lösen sich auf. Dieser Perspektivenwechsel ist not-wendig, gerade wenn der Schmerz einen zu zerbrechen droht. Vergebung ist der Weg der Heilung. Vergebung bedeutet nicht zu sagen: „oh, es ist völlig in Ordnung was Du getan hast.“ Vergebung bedeutet, den eigenen Schmerz anzunehmen, sich selbst aus Schuldgefühlen zu entlassen und mit Liebe zu versorgen. Dann bin ich in der Lage, auch den Schmerz dessen wahrzunehmen, der mir eine Wunde zugefügt hat. Unter Umständen kann ich dann sehen, dass wir im Leid und im Schmerz aneinander gebunden sind. Diese ungünstige Verbindung (und das damit einhergehende „stecken bleiben“ im Schmerz, in der Verbitterung) kann durch Vergebung – den Schmerz in die Liebe zu nehmen – aufgelöst werden. Im Film wurde dies so ausgedrückt: „Vergebung bedeutet nicht in Beziehung mit dem Täter zu gehen. Es bedeutet vielmehr den Griff zu lockern.“ Es wurde sehr deutlich, dass Vergebung ein Weg des Loslassens ist, der Zeit, Mitgefühl und Liebe vor allem für sich selbst braucht.

Wir haben einen freien Willen geschenkt bekommen. Dieser freie Wille befähigt uns eine Wahl zu treffen. Das ist ein großes Geschenk, denn dieser gepaart mit Mut hat das Potential wahrhaft tiefe Veränderungen zu bewirken, die wiederum Auswirkung auf das Große Ganze haben. Wenn wir die Liebe wählen, wird das unweigerlich Auswirkung haben, ebenso wie es Auswirkung hat, wenn wir den Hass wählen.

Mack, ein junger Familienvater erfährt einen tiefen Schmerz, als seine kleine Tochter entführt und umgebracht wird. Seine Welt zerbricht und er ist gefangen im Schmerz, in der Trauer, in einem Schuldgefühl und in der Wut. Bis er eines Tages einen Brief bekommt, der ihn zum Tatort zurückführt….

Er stellt sich seinen Emotionen und macht tiefe Erfahrungen, die ihn mit seiner spirituellen Heimat in Verbindung bringen. Ob wir diese Heimat nun Gott oder allwissendes Feld oder Urquelle allen Seins oder nochmal ganz anders nennen – tief in uns können wir diese Verbindung spüren und ganz sicher sein, dass diese uns trägt – egal wie dunkel unsere innere Nacht gerade ist.

Mehr möchte ich gar nicht erzählen, denn Worte können die Bilder, die Darstellung der verschiedensten Seins-Ebenen, die transportierten Emotionen, Weisheiten und den ansteckenden Humor kaum in Worte fassen. Hier ist der Trailer zum „Reinschnuppern“:

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21 Gedanken zu “Ein Wochenende mit Gott

  1. Glückwunsch! Da hast du auf einen Streich ein ganz kleines und ein ganz großes Kunststück zuwege gebracht. 🙂
    Das kleine Kunststück: einen Film vorzustellen, den ich noch nicht kannte. Und das große Kunststück: mir diesen Film sogar schmackhaft zu machen. 😀
    Eine innere Stimme hat mir allerdings zugeflüstert: Versuch’s zunächst mit dem Buch. (Und dieser inneren Stimme pflege ich häufig zu folgen – bestimmt auch in diesem Fall)
    Die Thematik hat es in sich. Und zwar satt. Im Prinzip betrifft sie ja auf die eine oder andere Weise jedes Menschenwesen, wenn auch in ganz unterschiedlicher Ausprägung (auch wenn es da naturgemäß keinen objektiven Maßstab gibt). So oder so zählt ein Fall wie der hier geschilderte zu den ganz, ganz großen Herausforderungen, wenn es um Schuld und Vergebung geht. Das von dir geschilderte „stecken bleiben“ in Schmerz und Verbitterung gehört meines Erachtens zu den ganz gefährlichen Giften der Psyche. Und leicht entsteht daraus eine teuflische Abwärtsspirale. Wie in diesem Fall die Aufwärtsspirale ausschaut, darauf bin ich sehr gespant. Lieben Dank fürs Vorstellen. 🙂

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    1. Wie wunderschön :-). Da fällt mir das Glück gleich zweimal ganz unverhofft in den Schoß :-). Deine innere Stimme ist sicher sehr weise und der Versuch mit dem Buch sicherlich sehr sinnvoll :-). Der Film berührt unter anderen sehr durch die wundervoll umgesetzten Bilder und die „Augensprache“ der Schauspieler. Der Film läuft ja glücklicherweise nicht weg ;-). Vergleiche was menschliche Schicksale angehen sind wohl kaum möglich. Jeder von uns hat ein ganz eigenes Empfindungsspektrum. Es ist wohl so wie Du sagst – es betrifft uns alle in der ein oder anderen Form. Die Spirale nach unten kann sich da manchmal bodenlos anfühlen. Um so wichtiger ist es, Wege aus dieser Spirale aufzuzeigen und damit Mut zu machen. Auch wenn sich das Schreckliche manchmal stärker anfühlt als die Liebe – ganz in Wahrheit verliert es an Kraft, wenn wir unseren Fokus von der Schrecklichkeit nehmen und uns der Liebe zuwenden. Ich wünsche Dir herzberührtes Entdecken des Buches 🌺🌺 🙂

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      1. Die innere Stimme liegt da, glaube ich, ganz richtig. Ein Buch kann ich auch besser „dosieren“. Vielleicht verschlinge ich es. Es kann aber auch sein, dass ich zwischendurch immer wieder „auf die Seele warten“ muss (um eine Formulierung von Henning Kvitnes zu beanspruchen).
        Schicksalshafte Ereignisse lassen sich nicht quantifizieren. Nicht zuletzt auch deshalb nicht, weil das individuelle „Strickmuster“ und die persönliche Vorgeschichte sehr stark das Erleben beeinflussen. Auf der anderen Seite glaube ich, dass sich die Wege aus dem Sumpf gleichen. Das ist ja auch ein gutes Zeichen. Die Pfade zur Hölle sind individuell – aber bei den Aus-Wegen können wir einander helfen. 🙂

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      2. Lieben Dank für Deine mitfühlende Weiterführung. Das hast Du sehr zutreffend und wunderschön in Worte gekleidet. Die Pfade zur Hölle sind wirklich sehr individuell, doch wie Du sagst – die Auswege gleichen einander. Vor allem können wir den Aus-Weg leichter gehen, wenn Unterstützung an der Seite ist 🐾❤️🐾

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  2. Es läßt hoffen, daß inzwischen auch spirituelle Themen ins Kino kommen! 🙂
    Danke, liebe Bettina, für Dein Vorkosten, so weiß ich doch, daß sich der Film lohnt.
    Ich habe auch vor Jahren das Buch „Die Hütte“ gelesen und war sehr berührt.
    Herzensgruß von mir an Dich ❤

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    1. Ja, da findet gerade eine hoffnungschenkende Bewegung statt liebe Ulrike. Es ist so wichtig, dass diese Themen auch cineastisch so herzensweise aufbereitet einem großen Publikum zur Verfügung stehen und Mut machen können. Dieser Film ist von Liebe getragen und die Schauspieler transportieren diese ganz wundervoll. Es wird spürbar, wie heilsam ein liebevoller Umgang mit Schmerz, Trauer, Wut und Hass ist. Lieben Herzengruß von mir an Dich 💞

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  3. Liebe Bettina, vielen Dank für deinen interessanten Beitrag ! Läuft der Film denn derzeit in den Kinos ? Ich verpasse so häufig welche und bin mir nicht sicher, ob der nicht schon wieder „vorbei“ ist ? Ich würde ihn mir nach deiner Beschreibung gerne ansehen. Ein schwieriges Thema, zumal in diesem Fall ein extremes Ereignis eine Rolle spielt. Wie du schreibst, kennt fast jeder so etwas aus seinem Leben, wenn auch in der Regel in nicht so dramatischer Form. Eine Erkenntnis, die sich mir dabei einmal ergeben hat, ist die, daß es unter Umständen nicht nur darum geht, dem anderen zu vergeben, sondern (in erster Linie) auch sich selbst. Man sagt ja auch, was du einem anderen antust, tust du dir selbst an. Ähnlich kann es mit der Vergebung sein. Der Schmerz, die Wut, der Haß, von denen man meint, der andere trägt die Schuld daran, kann auch der Schmerz über sich selbst sein, der Haß auf sich selbst, nicht so gehandelt zu haben, wie man es „hätte tun sollen“ usw. Leider nicht immer so leicht, loszulassen und dahin zu kommen. Es hetzt zum Glück keiner, aber je länger so ein Zustand dauert, umso giftiger für die eigene Seele bzw. das eigene Herz, den eigenen Körper… (paßt zu deinem Herz-Beitrag 🙂 Liebe Grüße zur Nacht !

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    1. Liebe Almuth, ganz lieben Dank für Deine mitfühlende und weiterführende Resonanz. Da sprichst Du einen ganz wichtigen Aspekt an. Sich selbst zu vergeben, ist wohl der erste Schritt der Vergebung. Wie will ich dem anderen vergeben, wenn ich mir selbst nicht vergeben kann? Oftmals hängt man im Schuldgefühl fest – in dem Teufelskreis von was-wäre-wenn und hätte-ich-doch-bloss etc. Daraus kann Wut und sogar Selbsthass entstehen. Irgendwann habe ich „Vergebung“ für mich so definiert: ich ver-gebe mir selbst Liebe d. h. ich schenke mir selbst Liebe, damit die Wut, das Schuldgefühl etc. in mir heilen kann. So fällt es leichter, auch anderen zu ver-geben. Und Du hast völlig recht – Hetze ist da vollkommen fehl am Platz. Da funktioniert nix auf Knopfdruck 😉. Den Weg der Vergebung muss man Schrittchen für Schrittchen in tiefem Mitgefühl für sich selbst gehen. Sonst hängt man im Schmerz, in der Wut oder im Hass ständig aneinander fest – im Sinne von man tut sich und dem anderen damit nix Gutes in dieser destruktiven Verquickung.
      Der Film müsste noch laufen. Ich hab‘ ihn hier vor knapp 4 Wochen gesehen. Wirklich sehr zu empfehlen. Wenn Du ihn anguckst wünsche ich Dir ein herzberührendes, stärkendes Erleben ❤️. Liebe Grüße von mir zu Dir 😊

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      1. Den Film konnte ich hier im Programm bislang nicht finden. Oft geht es mir so, daß ich etwas interessantes entdecke, zwei Wochnen später denke ich dran und da ist der Film schon wieder ausgelaufen. Ich hoffe, ich habe Glück und er kommt noch oder läuft noch mal im „Wiederholungskino“ 😉 – Ja, das Gefühl muß sich entwickeln und wachsen. Manchmal hängt man eine Weile fest. Man weiß es und kommt u.U. trotzdem nicht raus. Schade nur, wenn jemand gar nicht loslassen kann. Auch die Wut darf da sein und gefühlt werden. Auch das gehört dazu. Alles nicht so einfach, wenn man mit so einem Thema gerade zu tun hat. Ich wünsche dir noch eine gute Woche. Morgen solls ja wieder sehr heiß werden. Mal sehen, was ich da „gebacken“ kriege – du hast ja heute schon was geschafft 🙂 Liebe Grüße !

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      2. Oh schade. Ich habe mal geguckt, hier läuft er auch nur noch sonntags. Aber das hilft Dir ja jetzt nix…. Ich drück‘ die Daumen für’s Wiederholungskino!
        Ich hab‘ das Gefühl beim Vergeben ist es – wie Du sagst – immens wichtig, alle Gefühle wirklich ehrlich anzunehmen. In diversen Schattierungen. Sie haben alle eine Berechtigung. Erst dann kann die Lösung erfolgen. Das tut sie meist ganz von selbst. Den Loslassen bedeutet für mich, erst einmal die Empfindung ganz nah ranzuholen. Und Erwartungen an sich selbst zu überdenken. Den Druck raus nehmen. Die Emotionen wollen „ausgehalten“ werden, auch wenn es sich manchmal anfühlt als würde man von der Emotionswelle umgeworfen. Die Welle wird in der Annahme abebben und dann wird es leichter.
        Ich wünsche Dir eine erholsame Nacht und morgen immer mal wieder eine wohltuende Abkühlung, damit Du gebacken bekommst, was Du gebacken bekommen möchtest 😀 Liebe Grüße ⭐

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      3. Vielen Dank für deine guten Worte ! Wenn man so drüber reflektiert, klingt immer alles so einfach. Wenn man in solchen Sachen drin steckt, fehlt meist der Abstand, um wirklich „sehen“ zu können ! Aber auch das gehört vermutlich dazu. Learning by doing sozusagen 😉 Ich wünsche eine gute Nacht und einen angenehmen Tag morgen 🙂

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      4. Da hast Du völlig recht. An sich ist es „einfach“ also im Sinne von nicht kompliziert. Dieses „einfach“ trägt allerdings eine Tiefe in sich, die sich erst über das Gehen des Weges erschließt. Learning by doing ist wohl das Leben 😉. Dafür bleiben wir beweglich und lebendig liebe Almuth 🌻. Ich wünsche Dir auch eine gute Nacht und ein wunderschönes Wochenende 🌸

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      5. Albert Einstein hat es ganz simpel ausgedrückt: Das Leben ist wie Fahrradfahren – Um in der Balance zu bleiben, musst Du weitergehen (oder um beim Fahrrad zu bleiben – weiter treten 😉). In diesem Sinne – viel Freude beim Fahrradfahren 😊 und das Beste für die frische Woche 🌸

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      6. Oh ja, das klingt gut. Pfefferminze hab‘ ich sogar frisch vor der Haustüre wachsen 🙂. Ja, ein sehr warmer Wind weht hier und heute morgen um 8:00 h hatte es schon 23 Grad im Schatten… Wir machen wüstenlike das Beste draus 😉 Kühlende Herzensgrüße von mir 🍧

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      7. Uiii ! DAS ist heiß ! Ich glaube, ihr kriegts noch heißer, gell ?! Halt durch !! Pfefferminze vor dem Haus ist gut. Ich las heute noch, daß man bei Hitze warme Getränke trinken soll und die Beduinen wissen auch, wieso 🙂 Ein warmer kühlender Herzgruß von mir 🙂 Almuth

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